Drohen Überkapazitäten?

Bild links: Installation des 24 Meter hohen Flettner-Rotors. Bild rechts: Der Rotor verändert
die Silhouette des Schiffen schon sehr auffällig

Die Kreuzfahrtbranche macht mit ständig neuen Meldungen auf sich aufmerksam. Immer mehr Passagiere buchen Reisen, die Zahl der Kreuzfahrtschiffe wächst seit Jahren, ebenso die Größe der Schiffe. Das größte ist gegenwärtig die jüngst in Fahrt gekommene „Symphony of the Seas“ mit einer Vermessung von 228.081 GT und Platz für bis zu 6.800 Passagiere. Ein weiteres Schiff dieser Klasse ist bereits unterwegs, zwei sind noch im Bau. Die Zahl der Marktbeobachter wächst, die Überkapazitäten im Angebot befürchten. Dies auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Widerstands gegen Menschenmassen, die für wenige Stunden die angelaufenen Häfen überfluten. Sorgen wegen tatsächlicher und angenommener Umweltschäden kommen hinzu.
Einen aufschlussreichen Eindruck der Lage vermittelt die Zahl der noch in Auftrag befindlichen Neubauten, die bis 2027 auf den Markt drängen werden. Anfang April waren es noch genau 100 Stück mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 58,8 Mrd. Dollar, Schiffsverlängerungen nicht eingerechnet. Doch nur wenige Tage später hat die in der Schweiz ansässige Reederei Viking Ocean Cruises bei der zu Fincantieri gehörenden norwegischen Vard Verft für 460 Mio. Dollar zwei Neubauten mit Option für zwei weitere bestellt. Ablieferung jeweils zur Jahresmitte 2021 und 2022. Fincantieri profitiert besonders stark vom Kreuzfahrtboom. Der staatliche italienische Konzern allein hat 45 Neubauten im Programm, die auf verschiedenen Werften der
Gruppe gefertigt werden. Die Papenburger Meyer Werft und ihre Tochter im finnischen Turku kommen gemeinsam auf immerhin noch 20 Neubauten. Die wachsende und immer bedeutender werdende chinesische Konkurrenz hat mit sechs Neubauten bis jetzt allerdings erst einen kleinen Anteil am globalen Orderbuch. Dazu eine weitere Meldung „am Rande“: Auf der zwischen Turku und Stockholm pendelnden, mit 57.565 GT vermessenen und 218 m langen Kreuzfahrtfähre „Viking Grace“, die bereits mit einem umweltfreundlichen LNG-Antrieb im Dienst ist, wurde Anfang 2018 nachträglich ein Flettner-Rotor als Hilfsantrieb installiert. Bei der 24 m hohen Anlage mit einem Durchmesser von 4 m handelt es sich um eine modernisierte Form des Flettner-Rotors. Ein sich drehender Zylinder nutzt den durch Wind erzeugten sogenannten Magnus-Effekt für den Antrieb. Vollautomatisch soll erkannt werden, wann der Wind stark genug ist, um Kraftstoff einzusparen. Es wird davon ausgegangen, den Verbrauch sowie die CO2-Emissionen jährlich um 900 t reduzieren zu können. Auch ein neues von der Viking Line in China bestelltes  Kreuzfahrtschiff wird einen Flettner-Rotor erhalten. Es soll 2020 in Fahrt kommen.

(Quelle MF 6/2018)

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