Piraterieangriffe auf niedrigstem Niveau seit 27 Jahren

London, Kuala Lumpur, Berlin, 12. Juli 2021 – Laut einem heute veröffentlichten Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) wurde für das erste Halbjahr 2021 die bislang niedrigste Zahl an Piraterieangriffen seit 1994 gemeldet. Gleichwohl bleiben Risiken für Seeleute bestehen. Laut IMB gab es 68 Piratenangriffe und bewaffnete Raubüberfällen auf Schiffe – gegenüber 98 Vorfällen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 wurden laut dem IMB Piracy Reporting Centre (PRC) 61 Schiffe geentert, vier Schiffe angegriffen, zwei Schiffe beschossen ein Schiff gekapert.

Trotz des allgemeinen Rückgangs der gemeldeten Piratenangriffe hat sich die Gewalt gegen Besatzungen fortgesetzt: 50 Besatzungsmitglieder wurden im ersten Halbjahr 2021 entführt, je drei bedroht bzw. als Geiseln genommen, zwei wurden angegriffen, einer verletzt und einer getötet.

Leichte Entspannung in der Hochrisikoregion Golf von Guinea

Der Golf von Guinea ist laut IMB weiterhin besonders gefährlich für Seeleute, da 32 Prozent aller gemeldeten Piraterievorfälle dort stattfanden. Auf die Region entfielen alle 50 Fälle von entführten Besatzungsmitgliedern und das einzige Todesopfer unter den Besatzungsmitgliedern, das das IMB in der ersten Hälfte des Jahres 2021 verzeichnete. Die Zahl der Entführungen, die im ersten Halbjahr 2021 im Golf von Guinea verzeichnet wurden, ist die niedrigste seit 2019, aber Piraten haben es weiterhin auf alle Schiffstypen in der Region abgesehen. Das IMB warnt, dass Fischereifahrzeuge im Golf von Guinea gekapert und später als Mutterschiffe genutzt werden, um Handelsschiffe anzugreifen.

„Während das IMB die reduzierte Piraterieaktivität im Golf von Guinea begrüßt, bleibt das Risiko für Seeleute weiterhin bestehen”, sagte IMB-Direktor Michael Howlett. „Indem Schiffseigner alle Vorfälle an die regionalen Behörden und das IMB PRC melden, kann der Druck auf die Piraten aufrechterhalten werden. Durch die Zusammenführung der maritimen Behörden durch Initiativen wie das nigerianische „Deep Blue Project“ und das Gulf of Guinea Maritime Collaboration Forum kann der Wissensaustausch fortgesetzt und gestärkt sowie das Risiko für die Seeleute in der Region reduziert werden.”

Anfang Juni wurde ein Massengutfrachter von einem Skiff mit sechs Piraten angefahren, während er sich auf der Durchfahrt durch die Region etwa 210 Seemeilen vor der Küste von Lagos befand. Der Frachter – ausgestattet mit entsprechender Schiffshärtung – konnte die bewaffneten Piraten daran hindern, an Bord zu kommen. Der Vorfall zeigt aber, dass die Piraten in der Region weiterhin in der Lage sind, Angriffe in größerer Entfernung von der Küste durchzuführen.

Messerangriffe in der Straße von Singapur

In der Straße von Singapur wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 16 Piratenangriffe registriert, im Vergleich zu 11 im gleichen Zeitraum 2020. Diese Angriffe werden als weniger schwer eingestuft, aber das IMB warnt, dass bei sieben Angriffen die Täter mit Messern bewaffnet waren. Bei drei separaten Vorfällen wurden die Seeleute Berichten zufolge entweder bedroht, angegriffen oder verletzt.

Vorfälle vor der Küste Perus nehmen zu

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 und 2020 ist die Anzahl der Vorfälle in Callao Anchorage, Peru, um das Doppelte gestiegen, mit insgesamt neun gemeldeten Vorfällen für 2021. Im zweiten Quartal 2021 gab es vier Vorfälle und bei allen vier Enterungen wurden Messer eingesetzt, so die neuesten Zahlen des IMB. Die Piraten in der Region sind in der Lage, gewalttätige Angriffe auszuführen, wobei es in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 zu zwei separaten Vorfällen kam, bei denen die Besatzung als Geisel genommen und angegriffen wurde.

„Das Melden von Piraterieangriffen ist die erste Verteidigungslinie gegen zukünftige Angriffe”, sagte ICC-Generalsekretär John W.H. Denton AO. “Eine kontinuierliche Berichterstattung an das IMB wird es Regierungen, maritimen Einsatzkräften und anderen Akteuren ermöglichen, sicherere Gewässer für unsere Seeleute und einen reibungslosen Warenfluss in den globalen Lieferketten zu schaffen.”

Manila Bay, Philippinen

Schiffen wird empfohlen, bei der Durchfahrt durch die Manila Bay, Philippinen, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, da dem IMB für das zweite Quartal 2021 vier Piraterievorfälle gemeldet wurden.

Zum IMB

Seit seiner Gründung im Jahr 1991 ist das IMB PRC eine zentrale Anlaufstelle für die Meldung aller Verbrechen der Seepiraterie und bewaffneten Raubüberfälle, 24 Stunden am Tag. Die prompte Weiterleitung von Meldungen und die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften, die Weiterleitung von Meldungen an die Schifffahrt über GMDSS Safety Net Services und E-Mail-Warnungen an CSOs, die alle kostenlos zur Verfügung gestellt werden, helfen bei der Bekämpfung von Piraterie und bewaffneten Raubüberfällen und der Sicherheit von Seeleuten weltweit.

Weitere Informationen:

Michael Howlett, Director, ICC International Maritime Bureau

Tel : +44 207 423 6960

Email : mhowlett@icc‐ccs.org

Dr. Katrin Rupprecht
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

ICC Germany e.V.
Internationale Handelskammer
Wilhelmstr. 43G –  10117 Berlin
Tel: +49 – (0)30 – 200 7363 – 20

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Von: Dr. Katrin Rupprecht

Dr. Katrin Rupprecht

Dr. Katrin Rupprecht, Pressesprecherin und Senior Policy Managerin, arbeitet für ICC Germany, das deutsche Nationalkomitee der Internationalen Handelskamme (ICC). Zur ICC gehört auch das Internationalen Schifffahrtsbüro (IMB), das mit dem Piracy Reporting Centre (PRC) die weltweit einzige Einrichtung unterhält, die rund um die Uhr Berichte über Piraterievorfälle erhält und verarbeitet.

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