Seepiraterie: Q1-Zahlen für die ersten drei Monate 2016

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Trotz globalen Rückgangs immer mehr gewalttätige Angriffe vor den Küsten Westafrikas

London/Kuala Lumpur/Berlin, 27. April 2016 – Laut einem heute veröffentlichten Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) sinken die Pirateriezahlen weltweit. Allerdings steigt die Gewalt vor den Küsten Westafrikas, wo 44 Seeleute in den ersten drei Monaten gefangen genommen wurden.

Weltweit verzeichnete das IMB im ersten Quartal dieses Jahres 37 Piratenangriffe und bewaffnete Raubüberfälle, verglichen mit 54 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Drei Schiffe wurden entführt und 29 geentert, 26 Besatzungsmitglieder gekidnappt, um Lösegeld zu erpressen, und weitere 28 als Geisel genommen.

Nigeria und die Elfenbeinküste sind für zwei der drei Entführungen verantwortlich, zudem erfolgte dort die Geiselnahme von 28 Besatzungsmitgliedern. Damit dominiert der Golf von Guinea die Weltpiraterie in Bezug auf Anzahl und Schwere der Angriffe. Außerdem wurden in der Region 16 Besatzungsmitglieder von Chemie- und Produktentankern – bei insgesamt vier verschiedenen Überfällen – entführt. Zehn Angriffe wurden allein aus Nigeria gemeldet, in allen Fällen wurden Waffen eingesetzt.

“Die Berichte des letzten Quartals zeigen inakzeptable Gewalt gegen Schiffe und Besatzungen im Golf von Guinea, vor allem rund um Nigeria. Der aktuelle Anstieg der Entführungen ist ein Anlass zu großer Sorge “, sagt Pottengal Mukundan, Direktor des IMBs, das seit 1991 die Weltpiraterie dokumentiert.

Das IMB Piracy Reporting Centre (PRC) warnt alle Seeleute in der Region, wachsam zu bleiben, Anti-Piraterie-Sichtungen fortzuführen und zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um ein Entern der Schiffe zu verhindern. Im ersten Quartal griffen bewaffnete Gruppen – Schiffe und ihre Besatzungen an Küsten, Flüssen, Ankerplätzen, Häfen und in den umliegenden Gewässern an – sowie bis zu 110 Seemeilen vor den Küsten. Dabei wurden gezielt Massengutfrachter und Fahrzeugträge ausgewählt sowie Schiffe im Zusammenhang mit der Ölindustrie.

Indien: bewaffnete Räuber

Das IMB meldet zehn Vorfälle aus Indien im ersten Quartal 2016. Im Seehafen Kandla in Westindien wurden sieben Vorfälle verzeichnet – mehr als für das gesamte Jahr 2015. Es waren überwiegend gezielte kleinere Diebstähle von bewaffneten Räubergruppen auf vor Anker liegende Schiffe.

Positive Zeichen in Südostasien

Bisher wurden 2016 in Südostasien keine kleinen Produktentanker entführt. Dies war zu erwarten nach einer Reihe von Überfällen zwischen April 2014 und August 2015. „Die Maßnahmen der malaysischen und indonesischen Behörden gegen Piratenbanden im Jahr 2015 scheinen die notwendige abschreckende Wirkung gehabt zu haben”, sagt Kapitän Mukundan.

Indonesien verzeichnet vier Low-Level-Diebstähle. Dies ist ebenfalls eine deutliche Reduzierung im Vergleich zu den 21 berichteten Vorfällen im ersten Quartal des Jahres 2015.

Von den Küsten der Philippinen wurde die dritte Entführung in diesem Jahr gemeldet, nach den beiden gekaperten Produktentanker aus Westafrika.

Lage vor Somalia weiterhin prekär

Es wurden keine Piratenangriffe vor Somalia gemeldet. Doch zum Stand 31. März 2016 halten die mutmaßlichen somalischen Piraten weiterhin 29 Besatzungsmitglieder gefangen, um Lösegeld zu erpressen. Das IMB PRC rät den Kapitänen, wachsam zu bleiben und während der Fahrt durch diese Gewässer der in der Branche bekannten Best Management Pratices zu folgen. Die Lage vor den Küsten Somalias bleibt fragil und die Bedrohung durch somalische Piraterie ist nicht beseitigt.

Um eine PDF-Version des Reports per E-Mail zu erhalten, klicken Sie bitte hier: https://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/request-piracy-report

Alle Angriffe sind auch auf der IMB Piracy Live Map vermerkt: https://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/live-piracy-map

Weitere Informationen:
Pottengal Mukundan
Director, IMB
Tel: +44 20 7423 6960
Email: pmukundan@icc-ccs.org

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