Seepiraterie: Jahreszahlen 2016

London/Kuala Lumpur/Berlin, 10. Januar 2017 – Laut einem heute veröffentlichten Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) stieg die Zahl der entführten Seeleute 2016 auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Dafür sank die Zahl der Piratenangriffe insgesamt im Jahr 2016 auf 191.

„Der sich fortsetzende Trend beim Rückgang der Pirateriezahlen ist eine gute Neuigkeit, aber bestimmte Schiffsrouten bleiben weiterhin gefährlich. Ebenso sind die Steigerungen bei den Entführungen in einigen Regionen eine beunruhigende Entwicklung“, sagt Pottengal Mukundan, Direktor des IBM, dessen Piracy Reporting Centre die Pirateriezahlen seit 1991 erhebt. „Insbesondere die Entführungen in der Sulu-See zwischen den Philippinen und Malaysia geben Anlass zur Sorge.“

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 150 Schiffe geentert, 12 Schiffe wurde beschossen, sieben entführt und es gab 22 abgewehrte Angriffe. Es wurden 151 Besatzungsmitglieder als Geisel genommen.

Piraten entführten im Jahr 2016 insgesamt 62 Seeleute von ihren Schiffen bei insgesamt 15 Angriffen. Die Hälfte der Entführungen erfolgte vor den Küsten Westafrikas, 28 vor den Küsten Malaysias und Indonesiens. 2015 wurden lediglich 19 Seeleute bei fünf Überfällen entführt.

Entführungen in der Sulu-See

Eine neue Bedrohung für die Handelsschifffahrt ist die Sulu-See, ein westliches Nebenmeer des Pazifischen Ozeans. Dort wurden im letzten Quartal 2016 insgesamt 12 Besatzungsmitglieder entführt und in den Süden der Philippinen gebracht – von zwei Handelsschiffen auf See und einem geankerten Fischerboot. Bereits in der ersten Hälfte 2016 wurden Menschen von sich langsam fortbewegenden Schlepp- und Lastkähnen gekidnappt. Das IMB empfiehlt Kapitänen, die Sulu-See zu umfahren.

Nigeria bleibt Hotspot

Der Golf von Guinea vor der Westküste von Afrika bleibt weiterhin ein Gefahrenherd. So wurden bei neun unterschiedlichen Ereignissen 34 Menschen gekidnappt und drei Schiffe entführt. Vor der Küste von Nigeria nahm die Zahl an Piratenangriffen weiter zu. 36 Vorfälle wurden 2016 von dort berichtet, ein starker Anstieg im Vergleich zu 2015, wo nur 14 Ereignisse gemeldet wurden. Von den weltweit insgesamt 12 Angriffen, bei welchen auf die Schiffe gefeuert wurden, sind neun in Nigeria begangen worden. Einige von ihnen waren fast 100 Seemeilen von der Küste entfernt.

Im Gegenzug gab es einen deutlichen Rückgang an Aktivitäten von Piraten vor den Küsten Indonesiens (108 in 2015 zu 49 in 2016). Obwohl es sich bei der Großzahl der gemeldeten Überfälle um kleinere Diebstähle handelte, gelangten die Piraten bis auf drei Fälle erfolgreich an Bord.

Risiken vor Somalia

Es wurden zwei Angriffe aus Somalia berichtet. Der erste war ein versuchter Angriff auf ein Containerschiff im Golf von Aden im Mai 2016. Weiterhin wurde im Oktober ein Tanker im Somali-Becken, welches rund 300 Seemeilen von der Küste entfernt war, beschossen. Obwohl dies vereinzelte Geschehnisse sind, machen sie deutlich, dass die Region eine Risikozone für die Handelsschiffe bleibt. Deswegen ist es für Schiffskapitäne ratsam, wachsam zu bleiben, wenn sie in diesen Hochrisikogebieten unterwegs sind.

Aus Peru wurden elf Vorfälle gemeldet, zehn davon aus der Hafenstadt Callao. 2015 wurde kein einziges Ereignis aus dem südamerikanischen Land gemeldet. Weiterhin gab es 2016 eine sinkende Anzahl an Piraterieaktivitäten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in Vung Tau in Vietnam (Rückgang von 15 auf sieben) und in Bangladesch (Rückgang von 11 auf drei).

Das Piracy Reporting Centre (PRC) des International Maritime Bureau (IMB) ist zurzeit die einzige unabhängige Anlaufstelle, welche 24 Stunden am Tag erreichbar ist und Berichte über Piraterie entgegen nimmt. Aus diesem Grunde bittet das IMB alle Kapitäne und Reeder, weiterhin sämtliche Angriffe auf ihre Schiffe an das PRC weiterzuleiten. Dies ist der erste Schritt, um sicherzugehen, dass adäquate Ressourcen für den Kampf gegen Seepiraterie bereitgestellt werden.

Journalisten erhalten den ausführlichen Bericht bei katrin.rupprecht@iccgermany.de

Alle Angriffe sind auch auf der IMB Piracy Live Map vermerkt: https://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/live-piracy-map

 

Weitere Informationen:

Dr. Katrin Rupprecht
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Pottengal Mukundan
Director, IMB
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Mehr Entführungen trotz sinkender Piraterieangriffe

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